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Konzeption zur Ausstellung "Vorbereitung zum Hochverrat
70 Jahre 'Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse' "

Quelle: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung Rechte unbekannt (da bisherige Recherchen zum Rechtsinhaber bzw. -nachfolger ergebnislos geblieben sind, bittet der Verein, eventuelle Ansprüche bei ihm geltend zu machen)
Foto: Archiv der sozialen Demokratie der Friedrich-Ebert-Stiftung

 

Organisatorin der Ausstellung ist Anne Marioth
Kontakt: info -ad- gewerkschaftsprozesse -dot- de


Download Konzept der Ausstellung
(PDF- Format, 3,7 MB)

"Im Mittelpunkt des Weltinteresses steht augenblicklich der Monsterprozeß gegen 628 Angeklagte in Wuppertal, der in Etappen, etwa in 10 Teile gegliedert ist. Über 600 Menschen, Männer und Frauen, Greise und Jugendliche, Sozialdemokraten und Kommunisten, Christen, Parteilose, Gewerkschafter und Mitglieder der ,Arbeitsfront' stehen hier vor den Schranken des Blutgerichts. Nur deshalb, weil sie nicht freiwillig verhungern wollten und für die elementarsten Menschenrechte eintraten."

Die so genannten "Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse", die der Verfasser des illegalen Flugblatts von Anfang 1936 als "Monsterprozeß" bezeichnete, gehörten zu den größten Prozessen, die zwischen 1933 und 1945 gegen Angehörige illegaler Arbeiterorganisationen in Deutschland geführt wurden. Mehr als 650 Menschen aus Wuppertal und Velbert waren wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" angeklagt. Viele dieser Frauen und Männer hatten sich am Aufbau illegaler Gewerkschaftsgruppen beteiligt. Die "Gewerkschaftsprozesse" fanden eine große Resonanz in der internationalen Arbeiterbewegung und galten als Symbol des Massenwiderstands gegen den Nationalsozialismus. Zugleich dokumentieren die Prozesse die Rolle von Terror und Mord zur Durchsetzung und Etablierung der nationalsozialistischen Herrschaft.
Die Geschichte der "Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse" ist nicht nur von großer lokaler Bedeutung, sondern steht zugleich für den gewerkschaftlichen Widerstand gegen das NS-Regime sowie für die Solidarität der internationalen Arbeiterbewegung. Im November 2005 jährt sich zum 70. Mal der Beginn des ersten Verfahrens dieser Prozess-Serie. In diesem Monat soll die Ausstellung zu den "Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen" erstmals präsentiert werden.

Historischer Hintergrund

Seit 1930 war Wuppertal Schauplatz erbitterter Straßenkämpfe zwischen den Mitgliedern der SA und der Arbeiterbewegung. Die Stadt war bereits Ende des 19. Jahrhunderts ein Zentrum der sozialistischen Arbeiterbewegung, deren Anhänger in Parteien, Gewerkschaften, Kultur- und Sportvereinen sowie Genossenschaften organisiert waren. In den 20er Jahre entwickelte sich Wuppertal aber auch zu einer Hochburg der NSDAP. Nach der Machtübernahme Hitlers verstärkten die Nationalsozialisten den beispiellosen Terror gegen die Regimegegner. Im Juli 1933 richtete die SA das frühe Konzentrationslager Kemna ein, in dem die so genannten "Schutzhäftlinge" von den Wachmannschaften bestialisch drangsaliert und gefoltert wurden.
Trotz dieser Erfahrungen nahmen Anfang 1934 viele KPD-Funktionäre die Arbeit in den nunmehr illegalen Strukturen wieder auf: Ihr Hauptaugenmerk lag auf dem Wiederaufbau von freien Gewerkschaftsgruppen. Es gelang bis zum Sommer 1934 im Großraum Wuppertal gemeinsam mit Sozialdemokraten und Parteilosen, 61 betriebliche Widerstandsgruppen aufzubauen. Die Frauen und Männer in diesen Gruppen griffen direkt in fabrikinterne Auseinandersetzungen ein, stellten mehrere illegale Zeitungen her und lösten Kurzstreiks in einigen Betrieben aus. In Velbert wurde sogar der Deutsche Metallarbeiterverband (DMV) unter der Führung eines Sozialdemokraten wieder gegründet. Ihm gelang es 14 Gewerkschaftsgruppen in den Metallbetrieben aufzubauen. Für den Historiker Detlev Peukert stellten diese Gewerkschaftsgruppen "die weitaus größte Einheitsfrontbewegung im Rhein-Ruhrgebiet dar".
Dieser Massenwiderstand konnte dem Staatsapparat nicht verborgen bleiben: Im Januar 1935 begannen Wuppertaler Gestapo- und Düsseldorfer SD-Beamte (Sicherheitsdienst der SS) in enger Zusammenarbeit mit dem Geheimdienst der Deutschen Arbeitsfront (DAF) mit Massenverhaftungen in Wuppertal und Velbert. In den folgenden Monaten wurden mehr als 1200 Menschen festgenommen.
Die Ermittlungen der Gestapo, die mit äußerster Brutalität geführt wurden und mindestens zehn Männern das Leben kosteten, führten zu einer Serie von Massenprozessen, den "Wuppertaler Gewerkschaftsprozessen". Im November 1935 begann das erste Verfahren, in dem 13 Menschen vom Volksgerichtshof Berlin verurteilt wurden. In den folgenden Prozessen bis Anfang 1937 verurteilten Richter des Oberlandesgerichts Hamm mehr als 600 Menschen wegen "Vorbereitung zum Hochverrat" zu mehrjährigen Haftstrafen.
Die "Wuppertaler Gewerkschaftsprozesse" waren der Anlass für eine umfassende Aufklärungskampagne im Ausland wie auch in Deutschland über die Verfolgung der deutschen Arbeiterschaft. Ende 1935 gründeten in Amsterdam niederländische Intellektuelle, KPD-Funktionäre und einige Wuppertaler Exilanten das Wuppertal-Komitee. Dieses Komitee konnte eine umfangreiche Öffentlichkeits- und Unterstützungskampagne ins Leben rufen, die unter anderem vom Internationalen Gewerkschaftsbund (IGB), der Internationalen Transportarbeiter Föderation (ITF) sowie dem Vorstand der Sozialdemokratischen Partei im Exil (Sopade) unterstützt wurde. Das Wuppertal-Komitee setzte durch seine vielfältigen Aktionen und wegen seiner überparteilichen Ausrichtung eine internationale Solidaritätsbewegung in Gang, die seinerzeit einzigartig war. Die Methoden der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft gelangten somit an die internationale Öffentlichkeit.

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